Emmental? So ein Käse!

Blick runter zum Bauernhof (hinter Bäumen versteckt). In steilem Gelände mit dem Rechen Heu zusammengetragen…. Leise rieselte der Schweiss!!

Das Emmental ist vermutlich bei vielen vor allem wegen des Käses bekannt. Der mit den Löchern… So war das auch bei mir. So alle paar Jahre bin ich auch mal mit dem Motorrad da durchgefahren – aber sonst? Keine Ahnung!
Als Rentnerlehrling habe ich endlich genügend Zeit, um Ideen, die ich schon lange mit mir rumtrage, umzusetzen.
Eine davon ist, bei einem Bergbauern mal tatkräftig mitzuhelfen. So bin ich über die Seite der Caritas zu dem Bauerneinsatz gekommen.

Anfangs Juni war ich eine Woche im Emmental. Vorab kann ich schon mal zwei Dinge festhalten:
1. Das Emmental ist viel mehr als nur Käse!
2. Mein Respekt für die Bergbauern ist nochmals gestiegen!
Kleinbauernbetriebe, die ihre Tiere anständig behandeln, die so gut wie alles in Handarbeit machen, die 7 Tage die Woche arbeiten etc… DIE verdienen allen Respekt.

Ich bin also am Sonntagabend im Emmental angekommen und wir konnten uns „beschnuppern“. Hund Lara hat mich mit grossem Gebell empfangen – aber zum Glück nicht aufgefressen! Wir haben uns schnell angefreundet. Zu meiner Freude waren da auch noch vier Katzen. Mein Favorit: Giorgio! Ein Kater mit katzentypisch eigenwilligem Charakter, aber (m)ein Schätzchen.

Lara, die Hausherrin mit Lockenpelz – mein Schäfli!
Giorgio hat alles im Blick!
Giorgio 007, der Kater mit der Lizenz zum Charmeur!
…und bewacht den Hof.

Der Rest der Rasselbande startete einen wahren Katzenjammer, sobald die „Fütterung der Raubtiere“ anstand. Ein Miauen und Quängeln, wie bei kleinen Kindern…. miau, miau…..

Der Hund war so gut erzogen, dass er die Stubentiger immer erst fressen und die Milch schlabbern liess. Sobald sich aber die Katzen vom Teller entfernten, war Lara zur Stelle und putzte alles weg. Manchmal stellte sie sich nah hinter eine Katze, sodass sich diese „genötigt“ fühlte, den Platz zu räumen. Lara beherrschte diese Taktik in Perfektion. Trotzdem kamen die Miezen nicht zu kurz.

Frisch ab Kuh.
Ich wünschte, ich wär ein Huhn….
So sehen glückliche Hühner aus – Gack, gack.

Zum Hof gehören noch ca. 20 glückliche Hühner, vier Schweine und 14 Kühe. Davon mussten 12 Kühe täglich zweimal gemolken werden. Das überliess ich Judith, der Bäuerin. Klein, drahtig und extrem kräftig hievte sie jeweils die Milchkessel zur Tanköffnung… ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Soooo viel Kraft in einer so zierlichen Person: Wow!! Ich wurde aber auch nicht geschont: Gleich am ersten Tag ging es los mit Kühe striegeln, raustreiben, Stall misten, putzen, wischen, Heu in Futterkasten heben, Kuhfladen in Güllerinne bugsieren, den ganzen Mist ins Gülleloch schieben. Da fressen die Rindviecher bloss Grass und schei…. Beton!! Ha, ha, ha, bereits um 10 Uhr, nach der ersten Runde Arbeit, hatte ich Pudding-Arme. Und dazu kommt, dass alle Werkzeuge, sei es Besen, Schaufel, Schieber etc. an sich schon ziemlich schwer und gross sind. Mit meinen mickrigen 1.54 m Körpergrösse hatte ich auch keinen guten Hebel. Kurz: als Stadtkind und Bürolist war ich physisch enorm gefordert. Das wusste ich natürlich und war dann doch erstaunt, wie alles einfach extrem auf die Muckis ging.

Auch frisches Gras ist schwer.
Willkommene Ablenkung – Lara kontrolliert, ob ich alles richtig mache.

Um 10 Uhr gab’s dann erst mal Znüni. Also der Znüni war’s Zäni! Danach ging es für weitere Stunden an die Arbeit. Ob Holz hacken, aufladen, abladen, schichten oder Brombeerbüsche im steilen Gelände schneiden, ob Heu rechen oder Futtersilo füllen, ob Wäsche aufhängen oder Unkraut jäten, ob geschlachtetes Kälbli in Vakuum-Beuten abpacken, vakuumieren, anschreiben oder Hausflur wischen: es gab immer etwas zu tun und bis am Abend war ich jeweils so fix und foxi, dass ich nach dem Essen und der Dusche froh war, meine verhärteten Rückenmuskeln liegend zu entspannen. Komatöser Tiefschlaf spätestens um 22 Uhr; wer hätte das bei mir als Nachteule gedacht?!

Es blieb keine Zeit, um mehr zu fotografieren. Aber immerhin.
Und ein Blick in den Himmel warnte uns vor Gewitter.
Holz, mit dem geheizt, gekocht, gewärmt wird. Habe am eigenen Leib erfahren, wie unterschiedlich schwer Holz ist – je nach Baumart.
Eine wunderbare Landschaft, die einem bei der Bewirtschaftung aber alles abverlangt.

Diese Woche war in vielerlei Hinsicht ein Erfolg: Ich konnte in ein ganz anderes Leben Einblick nehmen, ich habe meine Zeit für etwas Sinnvolles eingesetzt (anstelle Geld zu spenden, spende ich lieber Zeit und Arbeit) und Werner und Judith waren froh um meine Mitarbeit – und ich bin 1,3 kg leichter zurückgekommen! Rundum ein gutes Gefühl und ich kann mir gut vorstellen, das wieder einmal zu machen.
Mit grösstem Respekt für die Bauern schaue ich auf diese Woche. Für mich ein paar Tage, für sie ihr Leben. Keine Pause, keine Zeit für eigene Ideen, egal, ob müde, krank oder lustlos: die Tiere, das Heu, die Ernten von irgendwas fordern täglichen Einsatz. Sieben Tage die Woche, im Schnitt 10 Stunden täglich. Und für die Bäuerin noch mehr: kochen, waschen, putzen… Ich ziehe den Hut!

Faszination im Makrobereich.
So schön.
…und dann hat’s doch noch für ein paar Bilder gereicht.
Ohne Schmetterlinge geht’s nicht!

2 Kommentare zu „Emmental? So ein Käse!

  1. Einmal mehr suoi dein Bericht…..🙃. Ich litt mit dir. Wie hiess der Ort schon wieder, ich habe glatt vergessen. Fg

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