Hast’e Bock?


Einen Tag nach der Wanderung am Doubs (siehe vorhergehenden Eintrag), wollte ich noch zum Creux du Van. Das ist eine natürliche Felsenarena. Der Durchmesser beträgt über einen Kilometer. Ziemlich imposant. Neulich, vor ca. 45 Jahren, war ich im Klassenlager dort in der Nähe. An einem Tag besuchten wir eben diesen Creux du Van. Und da ich ja schon so gut wie in der Nähe war, wollte ich da wieder mal hin. Ich habe den Tipp bekommen, dass man auch mit dem Auto rauffahren kann. Das war eine sehr wertvolle Information, da ich nach der Doubs-Wanderung mit meinem rechten Fuss Probleme hatte. Eigentlich wollte ich von unten hoch wandern, was deutlich mehr als ein Spaziergang geworden wäre. Also, gut konnte ich mit dem Auto bis nach oben fahren. Das Strässchen da hoch ist übrigens auch schon sehr schön.

Vom Parkplatz zur ersten Kante des Creux du Van sind es ca. 500 m. Von da aus kann man nach rechts, der Krete entlang… immer nah am Abgrund! Oder man geht nach links. Dieser Weg führt auf eine Felsnase, von der man einen gewaltigen Blick in die Felsenarena haben muss. Wie gesagt, mit meinem Hinkefuss war nix mit rumwandern.

Na, da guckst’e!! Ein trouristenresistenter Steinbock beäugte die Pilger.

Der Nebel hatte sich noch nicht restlos verzogen, deshalb fehlte das Sonnenlicht, um eine wirklich schöne Aufnahme zu machen. Na ja, ich komme sicher bald wieder, mit gesundem Fuss, und dann wird geknipst, bis die Speicherkarte glüht!!


Der Steinbock lag bockstill dort, zum Glück verbockte er mir damit nicht den Bockschuss, sonst wäre ich echt bocksauer, ääähm stocksauer, geworden :-).

Gemütlich bin ich also da rumgetippelt. Ich ahne, dass es noch ganz viele schöne Fotomotive geben würde. Das spare ich mir für meinen nächsten Besuch auf. Übrigens: Der Steinbock ist vermutlich schon eine Weile da in der Gegend, denn er war viel weniger scheu, als seine Artgenossen in den Bergen. Ich nehme an, es war der Gian aus dem Graubünden, der im Jura Ferien machte. Der ist ja bekanntlich ein richtiger Rampenbock!

Leider sind gewisse Leute einfach zu blöd. Sie wollen gaaaaanz nah an das Tier ran, weil man ja ein gaaaaanz tolles Foto mit dem Handy machen will. Aber der Bock hatte dazu keinen Bock und war dann gaaaaanz schnell weg. Ist halt schon dumm, wenn man blöd ist, gell?!

Was für ein Glück, so ein Tier mal aus der «Nähe» sehen zu können.
Am unbewaldeten oberen Rand des Kessels wurde eine ca. zwei Kilometer lange Trockensteinmauer erbaut, die einen weniger ästhetischen Drahtgitterzaun ersetzte. Die Mauer wurde von einer internationalen Gruppe unentgeltlich erstellt und wird deshalb auch Mauer der Freundschaft genannt.

Vive le Jura!

Man könnte tagelang dem Doubs entlang wandern – ich habe mich auf 3.5 Std. beschränkt und bin von Goumois nach Soubey gewandert.
Von Goumois nach Soubey

Per Zufall habe ich einen Beitrag über den Doubs und die unzähligen Wanderwege dort gesehen. Nach einer längeren Regenphase bestand die Aussicht auf zwei regenfreie Tage. Da ich im Juli schon mal im Jura war, und es mir ausserordentlich gut gefallen hat (siehe mein Blog «Jura für Anfänger»), bin ich kurzentschlossen losgefahren.

Ein dreifach Halleluja auf eine funktionierende Heizung!

Wer meinem Blog schon länger folgt, weiss, was mit dem Ausruf oben gemeint ist… wen’s interessiert, kann die Geschichte hier nachlesen. Kurzum: ich musste mir keine Sorgen machen, dass es in der Nacht zu kalt wird im Camperli – was für’n Luxus!

Habe mich wieder auf dem Camping in Saignelégier einquartiert und bin mit dem Postauto runter an den Doubs, nach Goumois gefahren. Hier ist gutes Timing gefragt, denn das Postauto fährt nur wenige Male am Tag. Aber ich habe mich natürlich gut vorbereitet und mir alle

Der Hebst mit seinen warmen Farben ist immer wieder eine Augenweide.

Abfahrtszeiten und Verbindungen vorher rausgesucht. Vom Endpunkt in Soubey musste ich ja auch wieder zurück – also alles vorher abgeklärt. Oder zumindest dachte ich das…


Man kann sich nicht verlaufen!

Der Weg ist mehrheitlich eben, ohne grössere Steigungen. Für meinen persönlichen Geschmack fand ich das eher etwas langweilig, weil es fast endlos geradeaus ging (siehe Bild). Und was definitiv gefehlt hat, war die Sonne. Es hat zwar nicht geregnet, aber ohne Sonne fehlt das Licht- und Schattenspiel in den Bäumen, auf dem Wasser, am Himmel.

Die Fotomotive wollten mir deshalb auch nicht so einfach vor die Linse springen. Alles erschien etwas konturlos – und wenn einem für über eine Stunde niemand begegnet, fängt man sogar an, «Gespenster» zu sehen. Oder was siehst du auf dem Bild unten?

Meine Fantasie hat mir Streiche gespielt und ich sah plötzlich eine Gottesanbeterin in der Form der Äste.

So war ich also fast völlig alleine auf dem Wanderweg. Für einmal fand ich das etwas betrüblich. Normalerweise macht mir das nichts aus, alleine loszumarschieren. Aber diesmal war es dermassen menschenleer, dass es – zusammen mit dem bedeckten Wetter – etwas mehr Eigenmotivation erforderte. Um meinen Geist zu beschäftigen, hielt ich nach Fotomotiven Ausschau. Und ich wurde fündig.

Das feuchte Wetter und der weiche Waldboden sind ideal für Pilze. Frag‘ mich aber ja nicht, was das für welche sind!
Noch mehr Pilze.
Essbar? Keine Ahnung. Ich wollte es nicht ausprobieren!
Ich finde diese kleinen Dinger fotogen.
Rüschchenröckchen am Baumstamm, sexy!

Es ist schon so: ist man erst mal unterwegs und widmet man sich mit allen Sinnen der Natur, vergeht die Zeit trotzdem recht schnell. Nach 14 km war ich dann in Soubey. Das Dörfchen ist wirklich ein kleines Nest, hat geschätzt 50 Einwohner, und natürlich war das Restaurant geschlossen. Ich musste auf das Postauto warten und hoffte, im Restaurant etwas trinken zu können. War nix. Zum Glück hatte ich noch etwas zum Lesen dabei, so kam mir das Warten nicht so lang vor. Ich wusste, (war ja gut vorbereitet!), dass um 16:57h der Bus zurück nach Saignelégier kommen muss. Es kam ein Bus und es folgte folgender Dialog (auf Französisch), aber hier der Einfachheit halber auf Deutsch wiedergegeben:

Ich: «Fährt der Bus nach Saignelégier?»
Chauffeur: «Nein» und schliesst die Tür.
Bus fährt weg und fährt noch weiter Richtung Dorf. Dort wendet er und kommt 5 Min. später wieder an dieser Haltestelle vorbei. Andere Leute, die auch mit mir gewartet haben, steigen ein. Ich sehe, es ist derselbe Chauffeur, bin total verunsichert, und frage eine Dame, die ebenfalls einsteigt, ob der Bus nach Saignelégier fährt. Sie weiss es nicht und fragt den Chauffeur.
Dame: «Fährt der Bus nach Saignelégier?»
Chauffeur: «Nein, diese Buslinie nach Saignelégier gibt’s nur bis Ende September. Fahren Sie mit mir bis St. Ursanne und nehmen Sie dort den Zug.»

Während des Wartens habe ich in einem Garten schöne Blümchen entdeckt.

Ziemlich perplex bin ich eingestiegen. Hätte ich nicht nochmals gefragt, hätte die Dame nicht den Chauffeur angesprochen und hätte der wieder nur einsilbig geantwortet, würde ich wohl immer noch dort auf den Bus warten. Was hat diesen «netten und hilfreichen» Chauffeur daran gehindert, mir dieselbe Antwort zu geben, wie der Dame? Ich habe ja seine Sprache gesprochen… aber vielleicht war’s nicht akzentfrei genug? Solche Erlebnisse schüren heftig das (Vor)Urteil gegenüber den Westschweizern/Franzosen. Ich versuche ja immer, mich nicht solchen Vorurteilen anzuschliessen. Diesmal fällt es mir etwas schwer.

Und natürlich fuhr kein Zug von St. Ursanne dirket nach Saignelégier. Das wäre ja zu einfach gewesen! Mein Handy hatte keinen Internetempfang, so konnte ich die SBB-App nicht öffnen. Es war etwas schwierig, weil die Züge nur mit der Endstation angegeben wurden. Da musste ich erst mal rausfinden, welcher Zug fährt wohin. Die Rückreise dauerte dann auch rund 1.5 Stunden. Wer das auch mal machen will, sollte es also vor dem Oktober machen, dann fährt der Bus noch direkt nach Saignelégier!

Aber ich wurde entschädigt: Am Abend war ich mit Freunden, die zufällig auch gerade im Jura in den Ferien waren, im Restaurant Le Theusseret. Kann ich bedenkenlos weiterempfehlen. Echt lecker!

Erlebnis der Extraklasse – Teil 3

Wie im vorangegangenen Blog versprochen, folgt jetzt also der 3. Teil meiner Erlebnisse der Extraklasse. Es war schon eine sehr erlebnisreiche Woche. Aber alles war einfach auf seine Weise ein Superlativ – ich war von der Erlebnisdichte fast überfordert. Deshalb bin ich jetzt wieder ein bisschen zu Hause, um das Erlebte richtig sacken zu lassen und die einzelnen Ereignisse nochmals in der Erinnerung zu geniessen.

Eine Steigung von 106% ist etwas angsteinflössend aber auch ein Erlebnis der Extraklasse!
Wer kennt die Gelmerbahn?

Ich nehme an, dass es die Wenigsten sind. Ich jedenfalls hatte keine Ahnung davon. Als ich vom Wallis nach Hause gefahren bin, wollte ich nicht an einem sonnigen Tag nur im Auto sitzen. So habe ich im Internet «Sehenswürdigkeiten Grimsel» eingegeben. Unter anderem wurde auch eben diese Gelmerbahn aufgeführt. DAS konnte ich mir nicht entgehen lassen. Wichtig für alle, die auch mal da hin wollen: Unbedingt Ticket im Voraus online buchen. Da die Bahn nur 24 Sitzplätze hat, sind diese schnell weg. Wer auf gut Glück mitfahren will, muss ggf. lange auf einen freien Platz warten. Ich konnte zum Glück meine Fahrten am Vorabend reservieren.

Man fährt rückwärts hoch (Blick also ins Tal) so musste ich diese Aufnahme „blind“ machen und die Kamera rückwärts halten. Es war megamässig steil. Echt der Wahnsinn, aber ein Erlebnis der Extraklasse.
Steil ist nicht zutreffend – das war fast überhängend: Wow!!

Etwas Muffensausen hatte ich dann doch, als ich einstieg. Es ruckelt und rumpelt und weil es immer steiler wird, rutscht man etwas nach vorne. Erhöhten Puls hatten vermutlich alle. Man ist aber durch einen Bügel, wie auf der Chilbi, gesichert. Trotzdem… es war abenteuerlich. Die Fahrt dauert ca. 12 Min. Oben wartet dann eine spektakuläre Aussicht auf einen. Ein Stausee, den man in 1.45 bis 2 Std. umrunden kann.

Die Wanderung rund um den Gelmersee ist extrem schön. Dieser Ausflug ist ab Zürich ohne Stress auch in einem Tag zu schaffen.
Wanderung Gelmersee

Einmal mehr stelle ich fest, dass ich keine, absolut keine, Ahnung von der Schweiz habe. Nur schon in den 2 Monaten, seit ich pensioniert bin, habe ich so Vieles gesehen, von dem ich vorher nicht mal den Namen kannte. Dazu gehört sicher auch die Gelmerbahn und der Gelmersee.

Die Wanderung um den Gelmersee kann ich jedem empfehlen, der einigermassen trittsicher und schwindelfrei ist. Es gibt ein paar Stellen, die etwas kniffliger sind. Aber alles in allem eine gut machbare Wanderung. Die Staumauer und der Stausee ist Teil einer grossen Wasserkraftanlage. Und selbst, wer nur mal über die Staumauer spaziert und zurück wird mir beipflichten, dass es ein imposanter Anblick ist.

ohne Worte

Da ich einen wolkenlosen, sonnigen Bilderbuchtag erwischt habe, konnte ich mich fast nicht sattsehen an den gewaltigen Bergen und der gesamten Kulisse. Was habe ich für ein Glück! Drei Erlebnisse der Extraklasse in einer Woche:

1. Die längste Hängebrücke der Welt
Die Charles Konen Hängebrücke
2. Die Gornergratbahn mit Matterhorn
Gornergratbahn und der berühmteste Zipfel der Welt
3. Steilste offene Standseilbahn
106 % Steigung – etwas Muffensausen inklusive

Erlebnis der Extraklasse – Teil 1

Klick and go!!

Für ein Mal weiss ich gar nicht, wo anfangen. Ich versuch’s trotzdem: Auf dem Campingplatz in Sion habe ich von meinen Campingnachbarn, die sich stammtischmässig laut unterhalten haben, etwas aufgeschnappt….von einer Hängebrücke…. fast 500 m lang…. die längste der Welt… in der Nähe von Zermatt. Dem wollte ich auf den Grund gehen und habe im Internet gesurft und gefunden: die Charles Kuonen Hängebrücke! Kurzentschlossen bin ich am folgenden Tag zu dieser Hängebrücke. Von Sion aus war das ja so gut wie ums Eck. Geschenkt wird einem aber dieses Erlebnis der Extraklasse nicht: der Aufstieg ab Randa dauert ca. 2.5 Std. und ist echt steil. Nach ca. 750 HM ist man am Einstieg in die Hängebrücke. Wow, boooah, mega, cool…. ach, das reicht nicht aus, um meine Begeisterung zu beschreiben!

Es war ein anstrengender Tag, denn die ca. 750 HM muss man ja auch wieder runter und auch wenn man eine Rundwanderung machen kann, so ist der Abstieg nicht minder steil. Aber es hat sich jede Schweissperle gelohnt – inkl. Gummiknie am Schluss und Muskelkater in den Popobacken 🙂 . Hier wieder einmal die Danksagung an die Erfindung der Wanderstöcke. Die Dinger sind echt hilfreich! Da es so steil war, brauchte ich für den Abstieg fast genau so lange, wie für den Aufstieg. Überholt wurde ich auf- und abwärts von Menschen, die in leichten Schlappen, ohne Kopfbedeckung, ohne Rucksack (somit auch ohne Wasser), ohne Hirn?, diese Wanderung gemacht haben. Ab und zu wundere ich mich schon. Aber gut, dafür kann man ja dann die REGA anrufen, wenn man sich irgendwo die Haxen gebrochen hat, oder wegen Dehydrierung und/oder Sonnenstich flach liegt. Vielleicht bin ich aber einfach auch nur zu alt, um diese fahrlässige Unbekümmertheit zu verstehen!

Erlebnis der Extraklasse – Teil 2

Another day in paradise!

Manchmal ist es schon lustig, welche Ereignisse zusammentreffen, und was daraus entstehen kann. Die Rede ist von einer Werbung auf meinem Handy. Normalerweise schaue ich „so Glumpp“ gar nicht an. Aber wie von Geisterhand habe ich das falsche Feld angetippt und so schaute ich halt das kurze Werbefilmli über die Gornergratbahn. Am Schluss das (Werbe-)Versprechen: «Sie fahren gratis auf den Gornergrat und zurück, wenn Sie zwischen März und Juli Geburtstag haben.» Ja, ja, habe ich mir gedacht, wo ist da der Haken? Denn eigentlich könnte ich ja gratis da hoch fahren, da ich im Juni Geburri habe. Sollte ich der Sache auf den Grund gehen? Ich war ja quasi schon in Zermatt und nach der anstrengenden Wanderung zur Hängebrücke, wäre so ein fauler Tag mit Zugfahren etc. schon seniorengerecht. Also, ich habe angerufen und mich erkundigt. Die Aussage blieb dieselbe: Als Juni-Geborene könne ich gratis fahren.

So bin tatsächlich am nächsten Tag gratis mit der Gornergratbahn rauf und runter gefahren. Ohne Halbtax würde dieser Spass sonst CHF 102.- kosten.

Seit 1898 fährt die GGB.

Und das Wetter hat einen wundervollen Tag noch vollkommener gemacht. Am Morgen war der Berg aller Berge komplett wolkenfrei – was für ein Anblick! Bilderbuchkulisse. Ich verwandle mich zum ganz gewöhnlichen Tourist und knipse, bis die Speicherkarte glüht.

Und nicht nur der gigantische Zipfel ist sehenswert. Die ganz Bergkulisse, und die Details daraus, sind prächtig. Ein oder auch viele Fotos können das Gewaltige nicht einfangen. Deshalb: fahrt doch selber mal hin!

Erlebnis der Extraklasse – Teil 3 —-> folgt in den nächsten Tagen.

360° Panorama

Manchmal muss man erst das Kleine sehen, bevor man bereit ist, das grosse Ganze zu würdigen.
Monte San Salvatore

Am Abend vorher ging der Vollmond über dem Monte San Salvatore auf (siehe Bild im letzten Beitrag). Das hat mich inspiriert, eben auf diesen Monte raufzugehen. Hoch marschieren und runter fahren – so gefällt mir das. Mit dem Velo bin ich vom Campingplatz bis Lugano-Paradiso geradelt, wo ich meine Nachbarn vom Camping wieder getroffen habe. Die hatten dieselbe Idee. Der Weg schlängelt sich im Zick-Zack steil den Berg hoch. Ab und zu erhascht man durch die Bäume einen Ausschnitt des Panoramas. Da ahnt man schon, was einen da oben erwartet.

Und auch auf diesem Weg haben es die Kurzbeinigen, Kleinfüssigen saumässig schwer… Stufen von 50 cm und mehr zwingen mich, meine Berggämsenqualitäten auszupacken. Zwar nicht so elegant, wie die hörnernen Vierbeiner, aber ebenso sprichwörtlich dickköpfig habe ich mich – Schritt für Schritt – hochgekämpft. Wie so oft: Der Weg ist das Ziel. Es gibt viel zu gucken, hören, beobachten… Nach rund 2,5 Std. bin ich oben angekommen und wusste erst gar nicht, in welche Richtung ich zuerst schauen soll. So ein Panorama! Und so ein perfekter Tag dazu!

Südliches St. Moritz mit mediterranem Flair = Lugano

Wenn ich schon mal da bin, dann wollte ich mir auch Lugano Centro mal anschauen. Bis anhin kannte ich nur den Bahnhof – mehr nicht. Die Gassen im Zentrum sind fast so rausgeputzt wie in St. Moritz. Und berühmte Marken wie Bogner, Valentino, Prada, Bucherer etc. sind auch hier am Start. Also, der Geldadel findet auch hier genügend Möglichkeiten, seinen Zaster zu verkloppen!

Vom Bahnhof zu Fuss runter ins Centro di Lugano.
Schönes Detail.

Was mir aber besser gefällt, als in St. Moritz, ist das Südländische, das doch da und dort durchdrückt. Der Duft von Rohschinken, Salami, frischem Brot, eine kleine Bar mit typisch italienischem Kaffee, Dolci aus einer Pasticceria… Ein Hauch mediterranes Flair weht durch die Gassen und macht Lugano, trotz Geklotze und Juwelengeklimper, für mich etwas sympathischer.

Logenplatz am Lago di Lugano

So sieht’s aus, wenn ich am Morgen frühstücke – Paradies, nicht?

Seit Dienstag, 1.9., bin ich am Luganer See, auf dem Campingplatz La Palma. Mein Sweetyboy (Christian) hat hier einen Dauerstellplatz – aber zum Glück ohne Gartenzwerge (siehe vorhergehende Berichte)! Wir haben uns lose verabredet und es hat geklappt. So schön. Er hatte Eduardo zu Besuch und es war mir ein Vergnügen, ihn auch kennenzulernen.

Unerwartet habe ich einen Platz in der ersten Reihe erhalten: d.h. mit direktem Seeanstoss. Boaaah!! Echt spitze! Ganz unschweizerisch – oder zumindest in der Vorstellung unschweizerisch – habe ich Palmen und Wasser im Blickfeld, sobald ich die Autotüre aufmache. Da habe ich doch ein grosses Stück vom Glück abbekommen.

Etwas überrascht war ich dann aber von den CHF 39.80 pro Nacht. Darin eingeschlossen sind stolze CHF 5.- pro Tag/Nacht für Strom… Man(n) rechne: 25 Rappen pro KWh (Annahme), so bezahle ich für ca. 20 KWh pro Tag. Und das mal ca. 40 Tagesgäste plus zusätzlich noch die Einnahmen für Elektrisch von den Dauercampern. Was nur an Einnahmen für Elektrizität zusammenkommen, ist ein schöner Batzen. Gut, einverstanden, der Porsche muss natürlich irgendwie finanziert werden und die Anlage braucht auch Unterhalt etc. Oder sollte ich besser sagen „bräuchte“ Unterhalt? Und die Elektroverteilkästen sind nicht das Einzige, was etwas Pflege und Unterhalt nötig hätte…

Der erste Gang zur Toilette war auch ein Erlebnis: Der Wasserhahn ist rund 30 – 40 cm über dem Becken. Das Becken ist so gross wie ein Suppenteller. Jetzt schiesst das Wasser aus DER Höhe in das kleine Becken – platsch! – und anstelle „nur“ mal eben Hände waschen, ist mal halb geduscht. Das spritzt in alle Himmelsrichtungen. Und bis man rausgefunden hat, welcher Wasserhahn mit etwas weniger Druck das Wasser ausspuckt, ist man zwischen Hals und Hüfte ordentlich befeuchtet.

Ein weiteres Erlebnis der Extraklasse sind die Duschen: Es hat genau einen Haken, um etwas aufzuhängen. Und das hat einen Haken mit nur einem Haken: Wie soll ich saubere Kleider, Frottiertuch, alte Kleider, Schuhe, Kulturbeutel u. s. w. an einem Haken aufhängen und am Schluss auch noch erwarten, dass ich in etwas Trockenes schlüpfen kann?! Es hat nicht mal eine kleine Bank oder einen Vorhang, damit man das Aufgehängte etwas schützen könnte. Aber Duschen geht hier sowieso unter die Rubrik „Abenteuer“, denn nach einiger Zeit geht das Licht aus (Minuterie). Aber der Bewegungssensor ist so eingestellt, dass er die Duschen nicht erreicht. Das Licht geht aus und man darf im Dunkeln weiterduschen. Hier wird einem wirklich was geboten fürs Geld!

Als Novum habe ich jetzt zum ersten Mal 230V-Strom angezapft. Meine anderen Luxüsser, wie z. B. die Kühlschublade, das Licht, die USB-Anschlüsse etc. funktionieren über die Solaranlage auf dem Autodach. Aber weil ich als freiberufliche Redaktorin ja auch ab und zu mal was arbeiten sollte, brauche ich 230V-Strom für den Computer. Also, arbeiten, dachte ich, ist am Sinnvollsten, wenn ich das bei Regen oder abends im Camperli mache. So habe ich mir ausgemalt, wie das dann sein wird: Etwas Leckeres zu trinken aus der Kühlschublade nehmen, Computer einschalten, Internet verbinden… Internet verbinden? Fehlanzeige. Der Campingplatz ist klein und trotzdem hat man es nicht so eingerichtet, dass man an seinem Platz Internet hat. Im Umkreis von 10 m bei der Rezeption gibt es eine Verbindung, danach ist nix mehr mit www & Co.

Am Morgen….. Nebst meinem Gemecker war es ja trotzdem sehr schön hier.

Dann habe ich etwas missmutig gedacht, ich nehme dann eben den Computer zur Rezeption (auch pflege- und unterhaltsbedürftig) und arbeite halt da ein bisschen. Denkste!! Da gibt’s möglicherweise eine Verbindung ins Internet, dafür hat’s keinen Stromanschluss… ha, ha, ha, wie lustig!!

Fazit: Das Prinzip der Gewinnmaximierung wird hier in Reinkultur gelebt. Nix investieren und völlig überhöhte Preise verlangen. Solange es so Doofis wie mich gibt, die zahlen, was soll man/frau sich da anstrengen? Ich bin ausnahmsweise bereit, diesen Preis zu zahlen, weil es eben schon aussergewöhnlich schön ist mit DER Kulisse. Hätte ich aber nicht diesen Logenplatz erhalten, sondern müsste mich mit den hinteren Rängen zufrieden geben (die übrigens nur 2.- weniger kosten als die Logenplätze), wäre ich nur eine Nacht geblieben und dann weitergezogen. Es sind nicht die fast CHF 40.- als Betrag. Mir geht es uns Prinzip. Aber gut, wenn ich ja schon viel zu viel bezahle, dann kann ich ja nicht auch noch etwas Service dafür erwarten, nicht?

Ich jedenfalls werde die vier Tage hier geniessen und dann vermutlich nicht wiederkommen. Schade, weil der Platz (auch in den hinteren Rängen) ist eigentlich schön, hat Bäume, ist klein und familiär etc. Und für einen normalen Betrag würde ich auch gar nicht über den Rest meckern – oder nur ganz wenig :-).

Meine teuerste Nacht auf einem Camping war bis dato in St. Moritz, und da habe ich CHF 20.- pro Nacht bezahlt. Und St. Moritz kann ich bedenkenlos weiterempfehlen – der Camping „La Palma“ in Agno leider nicht.

Ohne Stativ – deshalb etwas unscharf. Aber so ein Vollmond über dem Monte San Salvatore und die Lichter…. das hat schon was!

Trauerspiel – 2. Akt

Die Heizung ist geflickt – Juhu! Ursache war ein undichter Schlauch vom Tank zur Heizung. Es wurde dadurch Luft angesogen und somit kann die Heizung nicht anspringen. Also, alles wieder gut. Alles wieder gut?? Nur Wunschdenken.

Froh darüber, dass die Heizung nun funktioniert habe ich mich am Abend daran gemacht, mein Camperli für einen erneuten Start vorzubereiten. Dazu gehört z. B., dass ich den Veloträger wieder auf die Anhängerkupplung montieren und die Elektrik verbinden muss. Das ist im Normalfall kein Problem, denn es ist ein 13-poliger Stecker, den man nur auf eine bestimmte Weise einstecken kann. Keine Gefahr also, etwas zu verdrehen o.ä. Da ich ein Oldie bin, und prüfe, was ich mache, habe ich dann geschaut, ob die Lichter am Veloträger auch schön leuchten. Es ist ja klar, was jetzt kommt: Kein Licht, kein Blinker, kein Garnix!! Dieser *beeep*, *beeeep*, *beeep* Veloträger! Wie in letzter Zeit so oft, bin also wieder unter’s Auto gekrochen, alle Kabel und den Stecker kontrolliert, Zündung, alles nur Mögliche. Nix, nada, niente, njet, dunkel.

Da sollte es schön bunt leuchten….
*beeep*, *beeep*, *beeep* Qualität!
Ohne Worte

Auch hier die abgekürzte Geschichte: Ich war heute also wieder in der Garage. Wir haben den Stecker auseinander genommen (zum Glück war er nicht verschweisst!!) und zutage kam ein solcher *beeep*, *beeep*, *beeep* – ohne Worte! Von den 13 Polen (nein, nicht die aus’m Osten) waren nur gerade mal 3 oder 4 halbwegs angeschlossen. Die anderen dünnen Kabel alle lose. Vermutlich waren die Kabel nur eingesteckt und nicht mit dem Schräubchen festgezogen. Deshalb hat’s beim ersten Mal funktioniert und nach der Fahrt nach und von St. Moritz, hat sich alles gelöst. Was für ein *beeep*, *beeep*, *beeep*!!!

Genug der *beeeps*. Ein Trauerspiel hat im Normalfall 3 Akte. Ich hoffe, meines ist jetzt nach dem 2. Akt fertig. Ich habe die Zeit zu Hause aber genutzt, und mir ein paar praktische Dinge für mein Camperli ausgedacht. Ob’s funktioniert, folgt im nächsten Beitrag. Also: Fortsetzung folgt…

Es war einmal…

Entweder es ist nur eine Holzbank oder mit etwas Aufwand wird’s zur attraktiven Werbebotschaft.

…eine frisch Pensionierte, die wollte vor ein paar Tagen in die grosse, weite Welt losziehen. Sie hat seit ein paar Wochen ein kleines Camperli, das sie sogar mit Kleber zum Unikat gemacht hat. Jetzt ist der VW Caddy nicht mehr einer unter Tausenden, sondern unverkennbar Lange’s Schätzchen.

Wer sich übrigens auch für Kleber aller Art interessiert (oder bedruckte Magnettafeln oder sonst was), dem kann ich unbedingt Werk71 empfehlen. Herr Roman Eith ist kompetent und macht faire Preise. Ich kenne ihn noch aus Maagtechnic’s Zeiten. Da hat er für die Firma alle Klebearbeiten übernommen. Unbedingt dann einen lieben Gruss von mir ausrichten!

Zurück zur ursprünglichen Geschichte: Die grosse, weite Welt hat in St. Moritz angefangen und ebenso dort geendet (vorläufig).

Jetzt sitze ich angesäuert zu Hause, mein Camperli ist in der Garage, draussen scheint die Sonne, und trotz eigentlich recht viel Humor, mag die Grummelstimmung einfach nicht verfliegen.

…aber von Anfang an

Voller Entdeckergeist bin ich in St. Moritz angekommen. Der Campingplatz liegt zwischen zwei Seen (St. Moritz und Sils). Das Gebiet ist so schön! Und vom Campingplatz habe ich die Bergstation Corviglia gesehen. Der Entschluss stand fest: Am nächsten Tag gehe ich zu Fuss da hoch und nehme das Bähnli runter. Aus der Ferne sieht das Bähnli wie eine dicke Raupe aus, die den Berg hoch kriecht.

Nach einer gemütlichen Wanderung und rund 4 Stunden später bin ich oben angekommen und habe mir ein Käffchen gegönnt. Nein, die Bündner Nusstorte oder den frisch gebackenen Apfelstrudel habe ich nicht genascht (auch wenn’s lecker gerochen hat). So, wie es aussieht, muss hier oben im Winter „die Hölle“ los sein. Alles auf Party und Jugend ausgerichtet – aber schön.

Hübsch präsentiert sich der Kaffee auf dem Natur-Tischchen.

Gewaltige Felsbrocken zeugen noch von ehemaligen Felsstürzen. Imposant!!
Tradition, Kultur und viel Liebe zum Detail.
Die drei von der Tankstelle….
Hirschlein nimm die wohl in acht, wenn des Jägers Büchse kracht.

Wie gesagt, bin mit dem Bähnli runter nach St. Moritz. Bin da ein bisschen rumgetippelt und habe mir so dies und das angeschaut. Aber ich muss gestehen, so richtig gefällt mir St. Moritz nicht. Es gibt immer wieder schön restaurierte, alte Häuser und auch ein paar neue, architektonisch sehr gelungene Objekte, aber im grossen Ganzen? Na ja, noch weniger schön, um nicht zu sagen hässlich, finde ich nur noch Davos.

Fein rausgeputzt
Alt und neu kombiniert – das gefällt mir

Was mir auch nicht so gefallen hat sind all die Schickimicki-Designerläden. Von Gucci, Valentino, Bucherer, Tomy Hilfiger und wie sie alle heissen… Die ganze Schickeria findet standesgemässe Läden. Bis dato hat sich mir noch nicht so richtig erschlossen, weshalb ein Paar Jeans für CHF 800.- besser sein sollen als eine ganz gewöhnliche Levi’s. Es hängt vermutlich damit zusammen, dass ich eben nicht das nötige Kleingeld habe, um da mitzumischen. Neid?? Auf keinen Fall!! Aber abartig und ein bisschen gaga darf ich das schon finden, nicht?! Gut, dass wenigstens im St. Moritzer Coop die Preise normal geblieben sind.

Das dicke Ende kommt zum Schluss

Nach diesem schönen Tagesausflug bin ich zu meinem Camperli zurück. Habe mich wieder geruchsneutral hergestellt, mir etwas Leckeres für’s Abendessen gemacht und mich auf eine sternenklare Nacht gefreut. Und sie kam auch. Und mit ihr die Kälte. Brrrrrr…. A….kalt!! Aber: Ich habe ja eine Standheizung im Camperli! Das war eine von zwei Grundvoraussetzungen für mein Mini-Wohnmobil: 1. ein Kühlschrank, damit ich immer und überall ein kaltes Bier trinken kann. Und 2. eine Standheizung, damit ich nie – ich sag’s nochmals NIE – frieren muss.

Eine seeeeeeehr lange Geschichte abgekürzt erzählt: Die Heizung geht (noch) nicht. Zum Glück hatte ich meinen extrem warmen Schlafsack dabei. Trotzdem musste ich am Morgen erst die kleinen Eiszapfen am Nasenspitz abtauen.

Ich bin am nächsten Tag im, um, unter dem Auto rumgekrochen und habe die Tipps/Anweisungen, die ich über’s Handy erhalten habe, versucht umzusetzen. Resultat daraus: die Heizung geht immer noch nicht und ich habe ein paar Beulen, Schrammen und blaue Flecken mehr.

Jetzt der Entscheid: weiterreisen und nächtliche Eiszapfen akzeptieren, oder in tiefere Regionen „umziehen“, oder zähneknirschend nach Hause kommen und die Heizung reparieren lassen. Der Herbst kommt, und die Nächte werden auch nicht mehr wärmer. Also zurück. Der Camperli-Bauer Mathias und ich waren gestern fast drei Stunden lang auf Fehlersuche. Die Zuleitung saugt von irgendwo her Luft an. So kann die Heizung nicht anspringen. Die Verbindung in den Dieseltank konnten wir nur bedingt kontrollieren, da diese im Unterboden versteckt verlegt wurde. Diese Leitung hat eine Garage gemacht; und dort steht jetzt mein Auto auch wieder.

Ich will die Garage nicht vorverurteilen, aber ich fürchte, die haben einen Murks gemacht. Und wenn es sich dann als solchen rausstellt, wird meine Stimmung dadurch auch nicht besser. Mich macht so was schlicht sauer. Jeder Arbeit, egal was man macht, sollte vor Ablieferung/Übergabe kontrolliert werden. Und das Argument, ich hätte es vor Abfahrt ja auch kontrollieren können, lasse ich nur ganz bedingt gelten. Ich kontrolliere ja auch nicht das Röntgenbild nach einer OP, um zu schauen, ob der Chirurg seinen Job richtig gemacht hat. Und dann immer noch vorausgesetzt, ich habe auch das nötige Wissen dazu.

Also, schauen wir, was rauskommt. Finde es aber – trotz drüber schlafen – immer noch saublöd.

Von der Bergellerstrasse ins Bergell

Imposant erheben sich die Felszacken und überwachen das Bergell. Bei bedecktem Himmel wirken sie fast bedrohlich…
….und bei Sonnenschein, sehen die Berge soooo schön und einladend aus. Guten Morgen: Was für ein Empfang!!
Widerruf (Anmerk. der Red.)

Also, bevor ich mit der neuen Erzählung beginne, muss ich mich korrigieren: Ich nehme das mit dem Bünzlitum auf den Campingplätzen zurück. Nach 4 verschiedenen Campingplätzen ist es also überall so, dass man mit den Hühnern schlafen geht, und mit ihnen aufsteht. Selbst ich, als Nachteule, habe mich problemlos diesem Rhythmus angepasst. Ich nehme alles zurück (siehe Eintrag „Montreux“), bis auf das mit den Gartenzwergen…. 🙂

Salve Bregaglia!

Meine Heimadresse lautet ja Bergellerstrasse. Und wie sieht es dort, im Bergell, wirklich aus? Bis vor zwei Tagen hatte ich nicht viel Ahnung davon. Am besten ist immer, man macht sich selber ein Bild davon. Ich habe einen sehr schönen, familiären, nicht zu grossen, unkonventionellen Campingplatz in Vicosoprano gefunden. Wunderbare Aussicht auf die Berge und unzählige Wanderwege direkt ab Campingplatz. Zudem ist Chiavenna (Italien) in 15 Min. zu erreichen —> für z. B. gute Pizza, einkaufen o.ä. Und wer kein Camperli hat und nicht im Zelt schlafen will, für den hat es in den vielen Dörfern am Weg B&B, Alberghi, kleine Hotels etc.

Es ist doch immer wieder erstaunlich…..,
…dass es in einem so kleinen Auto ein so grosses „Puff“ geben kann!!

Nun gut, Puff hin oder her…. ich bin mit meinen neuen Wanderschuhen auf einen Wackel losmarschiert. Zur Pensionierung habe ich einen Gutschein für den Outdoor-Laden Transa erhalten. Den habe ich in eben diese neuen Wanderschuhe investiert. Und dies vorweg: Die Täppeli haben den Härtetest bestanden. Zurück zur Wanderung: Der „Sentiero Panoramico“ war jede Schweissperle wert. Bin von Vicosoprano bis nach Sogno getippelt. Mit meinen Beinstümpfli bin ich nicht so schnell unterwegs: Ich brauchte rund 4 Stunden (angegeben waren 3,5 Std.). Wobei ich aber die meiste Zeit vermutlich fürs Staunen und Fotografieren verplämperlet habe. Es ging erst rund 1,5 Std. ordentlich bergauf. Aber der Panoramaweg machte seinem Namen alle Ehre.

Nein, ich wars nicht!!!

Dieser Weg muss früher viel mehr begangen worden sein. Überall findet man stumme Zeitzeugen aus einer Zeit, wo die meisten Produkte noch per Eselkarawane transportiert wurden. Schön ist, dass man zwar immer mal wieder jemandem begegnet, aber die grosse Völkerwanderung bleibt aus. So lässt es sich gut alleine wandern. Man fühlt sich trotzdem nicht verlassen und einsam. Auch wenn die kurzen Begegnungen mit einem dahin gemurmelten „…..zi“ nur einen Wimpernschlag dauern. Aber immerhin. In Sogno angekommen, konnte ich mit dem Postauto zurück nach Vicosoprano fahren. Was für ein Luxus!! Aus dem kleinsten Bergdörfli kommt man mit ÖV wieder zurück.

Nicht so lustig, wie im Comic

Eigentlich wollte ich ja zur grossen Staumauer rauf wandern, die oberhalb von Vicosoprano steht. Aber das Wetter war wechselhaft und die Prognose ebenso. Und wenn man dann während eines plötzlich aufkommenden Gewitters mitten in der Felswand steht – was im Comic jeweils saukomisch ist, will ich nicht in Natura erleben.

So war ich also vernünftigerweise auf weniger exponierten Wegen unterwegs. Beim nächsten Besuch im Bergell wartet somit das Abenteuer „Staumauer“ noch auf mich. Bis am Abend war der Hunger – auch ohne 1000 Höhenmeter zur Staumauer hoch – gross genug, um ein Feuerchen zu entfachen und das selbst erlegte Wollhaarmammut zu brutzeln.

Wenn der wichtigste Gedanke ist, ob man es wohl schafft, ein ordentliches Feuer und anschliessend eine schöne Glut, mit nur einem Streichholz zu entfachen – und dieser Gedanke einen während einer bis zwei Stunden ganz gefangen nimmt, dann redimensioniert sich alles. Es ist nur wichtig, wann und wie man das nächste Stück Holz ins Feuer legt – sonst nichts. So einfach.

Das Dessert ist mir, wie die berühmten gebratenen Tauben, direkt in den Mund „geflogen“.

Sympathischi Granitchöpf

Auf den Spuren von Gian & Giachen

Diesmal war ich im Bündnerland: und zwar auf einem kleinen Campingplatz in der Nähe von Zillis (Rania Camping). Ein guter Ausgangsort, um z.B. die Viamala-Schlucht zu besuchen oder auf eine Mountainbike-Tour zu gehen oder zu Fuss die Gegend zu erkunden. Die zwei Bündner Steinböcke Gian und Giachen habe ich allerdings nicht angetroffen, obwohl sie sich ja über solche wie mich lustig machen: «…bika, hika, Rucksack schleika…». Vom Camping zu Fuss zur Viamala-Schlucht waren es nur 30 Min. Der Weg führte durch den Wald, teilweise

recht stotzig bergab – zack – so schnell konnte ich gar nicht «Mist» sagen, lag ich schon zwischen Geröll, Büschen, Dreck, Holz etc. Es war nicht ganz ungefährlich, weil ein paar Meter weiter unten, wäre ich dann im Hinterrhein bis zur Viamala-Schlucht geschwommen bzw. mitgeschwemmt worden. Nachdem ich den Dreck abgeputzt und die Knochen durchgezählt hatte, war mit so viel Adrenalin im Blut auch der letzte Rest von Müdigkeit weggepustet. Äusserst farbenfrohe, mehrheitlich gelb-grün-violette grosse Flecken habe ich als Souvenirs mitgenommen.

 Mein letzter Besuch in der Viamala-Schlucht liegt Jahrzehnte zurück – also wurde es mal wieder Zeit. Der Andrang hielt sich in Grenzen. 359 Stufen runter und wieder rauf… die sich aber lohnen: sehr eindrücklich! In diesem Zusammenhang kann ich auch die Roflaschlucht sehr empfehlen. Sie ist auf dem Weg hoch nach Splügen. Kaum zu übersehen, da das dazugehörende Hotel/Restaurant gross angeschrieben ist. Diese Schlucht ist klein und fein. Keine Treppen, kein steiles Gelände, es dauert nur ca. 20 Min. rein und raus. Nichtsdestotrotz lohnenswert. Kann übrigens auch mit Postauto erreicht werden. Ich war einen Tag nach der Viamala-Schlucht mit dem Velo da. Die Lungenflügeli haben ordentlich geflattert – vom Camping Richtung Splügen ging es steil bergauf. Da war die Roflaschlucht eine willkommene Pause.

Rofla-Wasserfall

natürliche Ästhetik

Die Gegend um Splügen (und der Weg von Thusis dahin) ist echt schön und es gibt endlos viele Wanderwege und vermutlich auch ebenso viele Velotrails.

Splügen

Und es gibt Stauseen und -mauern, von denen ich noch nichts gehört habe: Im Valle di Lei, ein Nebental zum Hinterrhein, steigt die Strasse bis auf ca. 1900 M.ü.M. Die Landschaft ist sehr eindrücklich und nur wenige Touristen verirren sich dahin. Dann muss man durch ein Einbahn-Tunnel bis zum Stausee. Man kommt aus dem Tunnel und blickt unmittelbar auf eine riesige Staumauer und den Stausee!! Hier küssen sich die Schweiz und Italien. Geht man über die Staumauer, ist man in Italien. Der Abstecher hat sich unbedingt gelohnt und kann ich weiterempfehlen.

Auf dem Rückweg kam mir auf der schmalen Strasse ein Auto mit italienischem Kennzeichen so nahe, dass sich unsere Aussenspiegel ebenfalls geküsst haben. Ich habe ihm dann in seiner Landessprache einen ganz schönen Tag gewünscht – und zwar vorwärts und rückwärts, mehrmals. Italiensich ist schon eine sehr melodische Sprache, da klingt sogar Fluchen und Beschimpfungen irgendwie schön!! Siehst’e Mamma, was ich alles von dir gelernt habe…